Die Grundlagen

Die Grundlage in unserem Shibari Training bilden einfache Pattern und Bewegungsabläufe, die jeweils dazu dienen einen bestimmten Aspekt des Fesseln’s zu trainieren. Diese Katas (Formen) sind darauf ausgelegt, übertragbare Prinzipien zu vermitteln, sodass Schüler*innen nicht nur im Dōjō, sondern auch außerhalb ermöglicht wird, fokussiert zu üben. Dadurch werden nicht nur grundlegende Techniken der Seilführung, Seilspannung und Bewegung des Körpers (Body Movement) gezielt erlernt, trainiert und verbessert, sondern es wird auch immer wieder die Verbindung zum Gegenüber, die non-verbale Kommunikation erforscht. Unabhängig vom Level gibt es immer weitere Details zu entdecken und herauszuarbeiten, je nachdem, was auch die eigenen Ziele im Seil sind.

Dazu gehört auch ein Gefühl für Timing (Wann?) und Distanz (Wohin?) zu entwickeln. Die Fragen „Wie bewege ich mich?“, „Wie bewege ich mein Gegenüber?“ und „Wie erreiche vermittle ich das Gefühl, das ich möchte?“, spielen beim Fesseln nicht nur zu Beginn eine zentrale Rolle. Im Shibari Unterricht schulen wir über Taijutsu (Body Movement) die Wahrnehmung dafür, genauso wie das Gefühl für den eigenen Körper – als Rigger und als Model bzw. Bunny gleichermaßen.

Mit den erlernten Konzepten kommen die Schüler*innen in die Lage sowohl im freien Fesseln, als auch mit bestimmten Shibari Pattern effizienter und sicherer an ihr individuelles Ziel zu gelangen. Es geht um das Verständnis für das wie und warum, dass sich dann übertragen lässt.

An dieser Stelle ist es uns auch wichtig Themen wie Vorgespräch, das eigene Risikoprofil im Seil und Aftercare anzusprechen. Während wir im Dōjō nicht im Session-Kontext fesseln, ist es jedoch unerlässlich, sich damit eingehend auseinander zu setzen. Das findet vor allem in unserem Shibari Starter Workshop aber auch in vertiefenden Fessel-Workshops zu einem der erwähnten Themen Platz. Dazu gehören auch Aspekte wie der Session-Aufbau und die Kunst, in einer Session den Raum gemeinsam zu halten.

Advanced Training

Je nach eigenem Level beschäftigt sich der Shibari Unterricht für Fortgeschrittene zunächst damit, die richtige Bewegung mit den richtigen Techniken zu kombinieren. Dazu gibt es eine Reihe an Basisformen, die allerdings weniger eine feste Abfolge, als mehr eine Aneinanderreihung von Prinzipien darstellen. Je weiter sich die Schüler*innen im eigenen Training befinden, desto mehr verschwinden die großen Bewegungen der Basistechniken, hin zu einem freien Arbeiten. Das Seil kann in der Verbindung miteinander fließen.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit sich Richtung Semi- und Full-Suspension im Kinbaku und Sekibaku weiter zu entwickeln. Auch hier liegt der Fokus zunächst auf allgemeinen Prinzipien, orientiert sich in der Tiefe dann aber an der Yagami-Ryu.

Kyushu Jutsu

Neben dem Nawajutsu (Seil-Techniken) und dem Taijutsu (Körper-Techniken), werden bei uns auch Kyushu Punkte und Techniken zur subtileren Beeinflussung des Körpers unterrichtet. Dieses Wissen kann für Lust genauso wie für Schmerz eingesetzt werden, dient grundsätzlich aber zunächst dazu, bewusster und tiefer in das Miteinander einzutauchen.

Theorie

Hintergrundwissen, vor allem zu den Themen Nerven und Anatomie ist im Shibari unerlässlich. Nur so kann das Risiko richtig eingeschätzt und gesenkt werden. Das Fesseln für alle Beteiligten so sicher wie möglich zu machen, ist eines der Hauptanliegen des Trainings.

In den Theorie-Blöcken picken wir uns dabei einzelne Bausteine heraus und verknüpfen diese mit praktischen Übungen. So wird das Gelernte erfahrbar und kann wortwörtlich vom Kopf in den Körper übergehen.

Freies Arbeiten und Anwenden

Anstelle von festgelegten Shibari Formen bestimmter Techniken liegt der Schwerpunkt auf der Flexibilität, die es einem ermöglicht, auf natürliche Weise im Seil auf jede Situation zu reagieren. Shibari Pattern sind, je nach Absicht und vor allem Richtung Suspension zwar auch wichtig, jedoch sind diese nur die Basis für die darauf aufbauende Session. Tagesform und Stimmung beeinflussen immer den Körper, das Mindset und das Miteinander. Dafür flexibel zu werden und zu bleiben ist auch Teil des Shibari Trainings.

Diese Einstellung lässt sich am Ende nicht nur auf das Fesseln im Shibari bzw. Kinbaku, sondern auch das ganze Leben anwenden.

Der Ablauf

Wie in einem klassischen Martial Arts Dōjō starten wir auch im Shibari Unterricht mit einem kleinem Warm-Up, dass vor allem Beine, Hüfte und Schultern im Fokus hat. Kurze Übungen zur Mobilisierung sollen Anregung für eigenes Training geben. Gefolgt von einem individuellem Aufwärmen mit dem Seil, in Form von bekannten Fessel-Pattern, widmen wir uns gemeinsam dem Schwerpunkt des jeweiligen Trainings. Dabei ist es in der Regel möglich eigene Themen oder Fragen mit einzubringen. Auf Basis vorgegebener Übungen mit und ohne Seil erhalten die Teilnehmenden dann individuelles Feedback und Raum zum Vertiefen.

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